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Opferkultur
| Opferkultur |
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| In der Opferkultur gibt es eine "Koalition der Minderheiten", die geschützt werden muss durch bannende Abwehrphrasen wie Antisemitismus, Homophobie, Rassismus, Sexismus und den Einsatz der Nazikeule, womit jede Kritik an entsprechende Lobbygruppen im Keim erstickt werden soll.
Homophob, rassistisch oder sexistisch ist das neue "ketzerisch"[wp], die politisch Korrekten die neue Religionspolizei. Siehe auch |
Der Begriff Opferkultur bezeichnet eine von Politik, Feminismus und Helferinnenindustrie erschaffene gesellschaftliche Haltung, die darauf abzielt immer genügend Benachteiligte, Diskriminierte und Opfer zu erzeugen.
Für die Biedermänner und -frauen bedeutet das, sich empören zu können ob der Ungleichheit, Ungerechtigkeit oder Schlechtigkeit dieser Welt/Gesellschaft und in der Folge Unterschriften zu sammeln, Spenden zu überweisen, Protestmärsche zu veranstalten und Lichterketten zu bilden. Das gesellschaftliche Vorhandensein von Opfern stellt sicher, dass es jemanden gibt, um den man sich kümmern kann, den man bedauern kann und der es dadurch ermöglicht sich als Gutmensch zu fühlen.
Das Opfer im gesellschaftlichen Kontext
Opfer spielen eine bedeutende Rolle im öffentlichen Leben, vor allem Opfer von Gewalt und Missbrauch. Sie dienen dazu, anderen moralische Festigung und Orientierung zu geben. Deshalb ist es ideologisch motiviert, Frauen als Opfer der Männer darzustellen, weil so Schuldgefühle induziert und damit politische Forderung durchgesetzt werden können. Synonym wird deshalb auch von einer Opferindustrie gesprochen. In westlichen Demokratien hat sich eine emotionalisierte Bekenntnis- und Opferkultur ausgebreitet. Wer sein Innerstes nach außen kehrt und sich darauf versteht, sich als Opfer zu präsentieren, darf auf Verständnis und Unterstützung rechnen.
| Zitat: | «Nach sozialwissenschaftlicher Ansicht leben wir seit langem in einer "Opferkultur", wo die Klage, benachteiligt zu sein, auf offene Ohren stösst.»[1] |
Die Opfermacher sind nicht zu stoppen, weil es genügend Menschen gibt, die bereitwillig die Opferrolle übernehmen. Das wiederum liegt daran, dass der Opferstatus hierzulande kein unattraktives Lebenskonzept darstellt. Die Betroffenen werden in einen Kreis von Menschen aufgenommen, die vermeintlich ein gleiches Schicksal erlitten haben. Sie erhalten eine Identität, die sie von jeder Verantwortung entbindet, weitgehend unangreifbar macht und ihnen Mitgefühl sichert.
Die Gutmenschen sind gleichfalls nicht zu stoppen, weil es ebenfalls genügend Menschen gibt, die gern die Helferrolle übernehmen. Besonders Frauen geben häufig als Berufswunsch an "helfen zu wollen". Dies und der politische Druck, Frauen in Erwerbsarbeit zu bringen, bringt die Helferinnenindustrie zusätzlich unter Wachstumsdruck. Eigenes Einkommen in Verbindung mit sozialer Arbeit sichert den Frauen hohes gesellschaftliches Ansehen.
Unsere Gesellschaft dermaßen penetrant von einer Perspektive durchdrungen, die nur Frauen als Opfer wahrnimmt, dass sie mitunter zu extrem bizarren Formulierungen führt. Ein anschauliches Beispiel liefert die Analyse "Frauen und der Völkermord in Ruanda", in der es heißt:
- "Der Völkermord ist eine weitreichende Tragödie, von der Frauen besonders übel betroffen waren. Sie stellen jetzt 70 Prozent der Bevölkerung, weil der Völkermord vor allem die männliche Bevölkerung ausradiert hat."
Die absonderliche Logik, dass Frauen besonders von einem Übel betroffen seien, bei dem hautpsächlich Männer abgeschlachtet werden, ist "typisch für den generellen Trend bei Diskussionen über Gender und Menschenrechte, wobei eine überwiegende Opferschaft von Frauen fast schon als Glaubensbekenntnis verwendet wird".[2]
Der Weg, bis auch männliche Opfer dieselbe Unterstützung erhalten werden wie weibliche, ist lang und der Widerstand ist massiv. Er rangiert vom Gunda-Werner-Institut der Heinrich-Böll-Stiftung bis zur Friedrich-Ebert-Stiftung, von Andreas Kemper bis zu Thomas Gesterkamp. Bei vielen Männerrechtlern erzeugen diese Gruppen und Personen deshalb nur noch Verachtung.[2]
Die Erfindung des Opfers
Die Aufwertung des Opfers war ursprünglich einmal ein beachtlicher Fortschritt in der Zivilisationsgeschichte. Jahrtausendelang war der Mensch gezwungen, anderen durch Stärke zu imponieren; sein Bestreben ging stets dahin, dominant zu erscheinen, auch dominanter, als er sich tatsächlich fühlte. Was hätte er dabei gewinnen können, sich schwach und angreifbar zu machen? Der Schwache lädt dazu ein, ihn zu erniedrigen, er muss fürchten, dass man sein Feld verwüstet und ihn seiner Habe beraubt. Auch im Tierreich ist keine Gattung bekannt, die durch demonstrative Schwäche herausfordert. Es gibt wohl Arten, die sich möglichst unsichtbar machen, um ihren Feinden zu entgehen, aber das Vorzeigen von Wehrlosigkeit ist nur als Unterwerfungsgeste bekannt, um nach einem verlorenen Kampf Schonung zu erwirken, nicht zur Vorteilsgewinnung.[3]
Die Vervielfachung des Opferbegriffs
Heute dagegen ist das Opfer in seinen vielen neuen Spielarten ein respektierter Vertreter unserer Zeit geworden. Es ist längst aus der geschützten Sphäre der Selbsthilfegruppen und Therapiekreise in die Alltagswelt hinausgetreten. Man begegnet ihm am Arbeitsplatz als Mobbing-Opfer oder Opfer sexistischer Beleidigung und Benachteiligung. In der Familie taucht es als Opfer der Doppelbelastung auf, als Leidtragende oder Leidtragender emotionaler Vernachlässigung und später dann, wenn alles auseinandergeflogen ist, als Scheidungsopfer. Es gibt das Stressopfer, das Opfer von Spiel- und Sexsucht, das Stalking-Opfer und natürlich, ganz allgemein, das Opfer der Verhältnisse.
So hat sich der Opferbegriff mit seiner Vervielfachung erstaunlich erweitert, die Politik ist damit vor neue Aufgaben gestellt. Anders als das klassische Opfer von Krieg, Gewalt und Terror, das in einer traumatischen Erfahrung völlig gefangen ist und sich demzufolge von der Umwelt abschließt, sucht das Opfer in seiner neuen, modernen Form den Kontakt nach außen. Es begreift seine Geschichte als exemplarisch und damit verallgemeinerbar, folglich gibt es keinen Grund, sich der Opferrolle zu schämen oder sie zu bemänteln. Das Zeigen von Schwäche wird, im Gegenteil, als Stärke gewertet: Der Austausch über das eigene Erleben schafft Verbindung und Nähe und erlaubt anderen, sich anzuschließen und zugehörig zu fühlen; die subjektive Betroffenheit ist Ausweis sozialer Kompetenz und damit Voraussetzung gesellschaftlicher Akzeptanz.[3]
Die Schaffung neuer Opfer und neuer Täter
Die Europäische Kommission hat im Sinne der Opferkultur eine ganze neue Gesetzgebung initiiert, die den Tatbestand gesellschaftlich unerwünschter Einstellungen und Vorurteile in Paragraphen fasst und unter Strafe stellt. In Deutschland gilt das "Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz", das die EU-Richtlinien auf die hiesigen Verhältnisse umsetzt, seit August 2006, was eines der ersten Gesetze darstellt, auf das sich die Große Koalition verständigt hat und das jede Form "der Benachteiligung aus Gründen der Rasse oder wegen der ethnischen Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität zu verhindern oder zu beseitigen" sucht, wie es gleich im ersten Absatz heißt. Nicht die Verweigerung eines Mietvertrags ist danach ahndungsfähig (das wäre, selbst wenn es vielen wünschenswert erscheinen mag, praktisch schwer zu bewerkstelligen) - verboten aber ist die Verweigerung aus den falschen Motiven. Wer eine türkische Familie nicht will, weil sie ihm zu laut oder zu wenig solvent erscheint, darf auch weiterhin jemand ihm genehmeren wählen. Wer den Bewerber allerdings ablehnt, weil er diese Eigenschaften mit der türkischen Herkunft in Zusammenhang bringt, sie also ethnisch zuordnet, hat sich gesetzwidrig verhalten. Das Gleiche gilt für eine Einstellung oder Beförderung: Jeder Personalchef kann Nasenring oder Netzhemd beim Vorstellungsgespräch für einen Abteilungsleiterposten unangebracht finden, er muss nur über die "sexuelle Orientierung" hinwegsehen, die damit gegebenenfalls zum Ausdruck gebracht wird.
Das ist eine Neuerung, deren Ausmaß von der Mehrheit der Bürger noch nicht vollständig erfasst, richtig verstanden und entsprechend eingeordnet wird und auf die sie vorbereitet werden muss. Es geht nicht um Schimpfworte oder abträgliche Bemerkungen, dafür gibt es bislang schon ausreichend Handhabe in Form von Beleidigungsparagraphen: Es sind Gedankenverbrechen, die nun erstmals juristisch verfolgt werden können und für die die Allgemeinbevölkerung noch nicht ausreichend sensibilisiert ist. Ein erster Schritt sind die Belehrungen über die veränderte Rechtslage, die in allen Unternehmen ausgeteilt werden und in denen die Belegschaft über sozial unerwünschtes Verhalten aufgeklärt wird. Viele Unternehmen bieten Seminare zum Gleichstellungsgesetz und Fortbildungen für die Führungskräfte an.
Wir stehen erst am Anfang einer aufregenden Entwicklung. Schon gibt es Überlegungen, den Katalog der Diskriminierungstatbestände auszuweiten und damit einhergehend den Kreis der Opfer zu erweitern. Warum bei Geschlecht, Rasse oder Herkunft stehen bleiben und nicht politische Gesinnung hinzunehmen? Oder neben Behinderungen auch Suchterkrankungen? Es ist schwer einzusehen, warum jemand Nachteile erleiden soll, weil er alkoholabhängig ist oder eine verhängnisvolle Liebe zu Nikotin entwickelt hat. Vielleicht werden wir eines nicht allzu fernen Tages erleben, wie jemand vor Gericht zieht, weil er die ständige Diskriminierung von Rauchern am Arbeitsplatz nicht mehr ertragen mag. Als im Frühjahr 2005 der Bundestag zur Expertenanhörung zum Gleichstellungsgesetz bat, brachte der Vertreter des Deutschen Gewerkschaftsbundes Bedenken gegen die Aufnahme des Alters als Kategorie vor. Er begründete seinen Einwand damit, dass sich gerade jüngere Arbeitnehmer auf diesen Passus berufen könnten, weil sie für die gleiche Arbeit in Deutschland meist weniger verdienen als Ältere, die schon lange im Unternehmen sind, und bei Entlassungen immer zu den ersten gehören, denen die Tür gewiesen wird. Der Gewerkschaftsvertreter wurde dahingehend beruhigt, dass es so weit schon nicht kommen werde, aber niemand weiß tatsächlich zu sagen, wie eine Klage ausgehen würde. Die "Frankfurter Allgemeine" berichtete im Sommer 2006 von einem Arbeitgeber, der einen kostenlosen Werkskindergarten für seine Mitarbeiter einrichten wollte, worauf ein homosexuelles und daher kinderloses Betriebsratsmitglied Ausgleichsansprüche anmeldete, mit der durchaus zutreffenden Begründung, dass er ja von der sozialen Wohltat nichts habe, somit also ein Fall von "Entgeltdiskriminierung" vorliege. Der Arbeitgeber verzichtete lieber auf den familienfreundlichen Plan, als sich in die Gleichstellungsdiskussion zu verstricken.[3]
Anerkennung des Opferstatus durch Bildung von Opfergemeinschaften
Um Opfer zu werden, reicht es nicht, dass man sich geschädigt fühlt. Was nützt es, sich im Unrecht zu sehen, wenn niemand anders das genauso sieht? Erst die Anerkennung durch die Lebensumwelt begründet den Opferstatus und verschafft einem die Vorteile, die damit im Regelfall einhergehen. Der einfachste Weg zu Anerkennung ist die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, einem Zusammenschluss von Gleichgesinnten. Die Größe der Opfergemeinschaft ist dabei nicht entscheidend, wichtiger ist eine starke Identität, die durchsetzungsstark macht und einem das nötige Auftreten verschafft. Sie kann in einer gemeinsamen Opfergeschichte begründet sein, einer langen Gruppenerfahrung von Diskriminierung und Ausgrenzung wie bei den AIDS-Kranken, den Heimatvertriebenen oder den Sadomasochisten, einer bis heute ausgegrenzten Minderheit, der man, wie der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit, nur wünschen kann, dass "Skepsis und Vorbehalte einem freundlichen Miteinander weichen", wie er anlässlich eines großen, europaweiten Sadomasochisten-Treffens erklärte. Manchmal reicht auch eine soziale Erfahrung, die verbindet und die Außenwelt so beeindruckt, dass sie Kenntnis davon nimmt: Das Los der jungen Mutter, die sich von ihrem Freund losgesagt hat, ist dafür ein Beispiel, das Schicksal jugendlicher Hausbesetzer und immer wieder das Leben als Bedürftiger.
Die eingeforderte Betroffenheit für Minderheiten
In aller Regel ist das Opfer in der Minderheit, seine Angehörigen sind wenige, nicht viele, das ist entscheidend. Schon das Wort Minderheit fordert Betroffenheit. Es ist ein Signalbegriff, der Schutzinstinkte auslöst und an ein latentes Unbehagen der Mehrheitsgesellschaft appelliert, an eine Selbstunsicherheit des Souveräns, die allen westlichen Demokratien zu eigen ist, zu deren Wesen ja ein geschärftes Bewusstsein für die Probleme ungehinderter Machtausübung gehört. Mehrheiten sind so betrachtet immer auch verdächtig, weil sie in Gefahr sind, repressiv zu handeln. Jede Mehrheitsentscheidung ist eine Entscheidung gegen die Stimmen der zahlenmäßig Unterlegenen und damit tendenziell rechtfertigungsbedürftig. Minderheiten gelten im Umkehrschluss als potenziell gefährdet und sind damit moralisch privilegiert. Was ihnen an numerischer Größe fehlt, gleichen bestimmte Angehörige derselben durch Selbstvertrauen und Umtriebigkeit aus. Für denjenigen, der sich dadurch Vorteil verschaffen will, kommt es jetzt darauf an, auch zur richtigen Kleingruppe zu gehören.
Nicht jede Minderheiten-Zugehörigkeit qualifiziert automatisch für den Opferstatus. Erben, Jäger und die deutsche Hausfrau zum Beispiel werden im Regelfall nicht als gefährdete Minderheiten eingestuft. Sie stehen zwar zuverlässig am Pranger, als Subjekte, deren reine Existenz schon irgendwie gesellschaftsschädlich ist; sie hätten also reichlich Grund, sich diskriminiert zu fühlen, doch ihre Opferlobby hat versagt: kein Minderheitenbonus. Auch Investmentbanker und Manager haben spätestens seit der Wirtschaftskrise von 2009 einen schweren Stand, daran können gelegentliche Interventionen wohlmeinender Dritter nichts ändern. Als der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff im vergangenen November vor einer generellen Verurteilung warnte, musste er sich von den Grünen in Gestalt der Bundestagsabgeordneten Brigitte Pothmer die "einseitige Parteinahme für die Manager" vorhalten lassen: Dass sich Wulff "pauschal vor einen Berufsstand" stelle, "aus dessen Reihen in den letzten Monaten nachweislich fahrlässig und sogar kriminell gehandelt wurde", sei auf keinen Fall akzeptabel, befand die Dame scharf - woraus man ersehen kann, dass es sogar Minderheiten gibt, für die ausdrücklich ein Diskriminierungsgebot besteht. Umgekehrt sind Ausländer immer dabei, wenn es um gefährdete Gruppen geht, die der Fürsorge bedürfen, dazu natürlich die Alten, auch wenn sie in Folge der künftigen demographischen Entwicklung gefährlich nahe an die Grenze kommen, ab deren Überschreiten sie ihren Status als Minderheit verlieren.[3]
Der Selbsterhaltungstrieb der Opferpolitik
Es mag für Außenstehende unbegreiflich sein, dass die Zahl derer, die sich aus ihrer subjektiven Selbstsicht gesellschaftlich benachteiligt empfinden, größer wird, je mehr die Gleichberechtigung durchgesetzt wird. In der Tat könnte man als Ergebnis von fünf Jahrzehnten staatlicher Gleichstellungsbemühungen für die Zukunft weniger Gleichstellungsarbeit erwarten, aber das hieße, den Selbsterhaltungstrieb der Opferpolitik zu verkennen. Mit jeder Opfergruppe, die erst im gesellschaftlichen Diskurs und dann auch im verwaltungstechnischen Vollzug als solche anerkannt wird, weitet sich nicht nur der Opferkreis, sondern auch das Spektrum dessen, was als Diskriminierung zu gelten hat. Je sensibler sich eine Gesellschaft für die Kränkungen und Zurücksetzungen ihrer Mitglieder zeigt, desto mehr ermutigt sie, auch geringste Verfehlungen zur Anzeige zu bringen, und deshalb wächst der Bedarf nach Quotenregelungen, Gleichstellungsprogrammen und Fördergeldern proportional zum Bemühen, jede Form der Benachteiligung zu vermeiden oder zu beseitigen.
Man kann das belächeln, aber es ist Alltag in Deutschland. Nahezu wöchentlich finden sich irgendwo Menschen zusammen, die unter dem Banner vermeintlicher oder tatsächlicher Stigmatisierung für ihre Anliegen Unterstützung zu mobilisieren versuchen. Gestern sind es die ehemaligen Staatsbediensteten in Ostdeutschland, die sich um die vollständige Anrechnung der Zeit ihrer Erwerbstätigkeit während der Zeit der Existenz der DDR gebracht sehen. Heute die Übergewichtigen, die finden, dass ihre soziale Umwelt unzulässigen Druck auf sie ausübt, dem Schlankheitswahn zu folgen. In den USA hat sich bereits ein "Fat Acceptance Movement" gebildet, das für gesetzlichen Schutz vor Gewichtsdiskriminierung kämpft. Für Befürworter geht es dabei um die grundlegende Frage, wie eine Gesellschaft mit "Anderssein" umgeht - in diesem Fall nicht einer anderen sexuellen Orientierung oder Hautfarbe, sondern der Abweichung von der biomedizinischen Norm. Vor ein paar Monaten wurde eine Kampagne ins Leben gerufen, um Frauen mit großen Brüsten Stimme und Aufmerksamkeit zu verleihen. "Busts 4 Justice" hat innerhalb kürzester Zeit 8000 Mitglieder gewonnen. Anlass gab die Kaufhauskette Marks&Spencer, die plötzlich für alle Büstenhalter ab Körbchengröße F einen Aufpreis von zwei Pfund verlangte - ein Fall "krasser Diskriminierung", wie die selbsternannten Opfer beklagen, da die Größe des Busens kaum zu beeinflussen sei, jedenfalls nicht auf natürlichem Wege. Selbst rechtsextreme Frauen, die wegen ihrer Gesinnung berufliche Nachteile befürchten oder erleiden, haben inzwischen eine "Solidaritätsorganisation", an die sie sich wenden können. Seit vergangenem Jahr gibt es für "politisch verfolgte Frauen aus dem nationalen Spektrum" die Selbsthilfegruppe "Jeanne D.", die "Opfern politischer Willkür" über das Internet psychosoziale Hilfe, Beratung und Rechtsbeistand bietet.[3]
Die Opferkultur als Lebensstil
Es zeigt sich, dass es nicht immer ganz einfach ist, den Überblick zu behalten. "Opfer"-Vertreter von Gehörlosen verstehen den fortschreitenden Einsatz von Cochlea-Implantaten[wp] bei Kindern und Jugendlichen als Herabwürdigung ihrer Lebensweise. Was in der medizinischen Fachwelt als technisches Hilfsmittel zur Überwindung der Taubheit betrachtet und öffentlich entsprechend dargestellt wird, gilt bei den Vertretern der "Deaf Culture"[wp] als Versuch einer "chirurgischen Assimilation" nach den Gesundheitsnormen der Mehrheitsgesellschaft. Die Taubheitsaktivisten sehen sich und ihresgleichen nicht als Behinderte, sondern als Angehörige einer linguistischen Minderheit mit einer reichen Kulturtradition, die sogar das Glück hat, gegen Lärm immun zu sein. Der Präsident des Weltverbands der Gehörlosen, Markku Jokinen[wp], fabuliert gar davon, dass die Anpassung der Gehörlosen an die hörende Bevölkerungsmehrheit durch Sprachtraining, den Einsatz von Hörgeräten und Innenohr-Transplantaten den Tatbestand des "kulturellen Genozids" erfülle, weil mit der Taubheit eine Sprache, soziale Ausdrucksformen und ein Selbstverständnis verschwinden würden, die wie die Lebenswelten der Mati Ke in Australien oder der vom Aussterben bedrohten brasilianischen Flussindianer einmalig und unwiederbringlich seien. Jokinen nimmt sogar explizit Bezug auf die in der "UN-Völkermord-Konvention" als Tatbestandsmerkmal definierte Absicht, "eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihr Volkstum bestimmte Gruppe als solche durch die gewaltsame Überführung von deren Kindern in eine andere ganz oder teilweise zu zerstören", welches der Aktivist durch die Bemühungen von Staat und Wissenschaft, gehörlosen Kindern durch die Kompensation oder gar vollständige Aufhebung ihrer Beeinträchtigung zwecks Integration in die Dominanzgesellschaft der akustisch nicht-behinderten Menschen, für eindeutig erfüllt ansieht.
Es gibt, nach dem Vorbild von Sexismus, Rassismus und Antisemitismus, auch schon ein Wort, das die Diskriminierung von Gehörlosen bezeichnet. "Audismus" lautet die entsprechende fachsprachliche Bezeichnung, und der junge Forschungszweig der "Disability Studies", welche an den Hochschulen implementiert werden, definiert Behinderung in Anlehnung an die "Gender"-Theorie zeitgemäß als eine sozialhistorische Konstruktion, womit Begriffe wie Gesundheit oder körperliche Unversehrtheit ihren Sinn als medizinische Standards verlieren. "Taubsein ist vergleichbar mit Frausein, Christsein oder Jüdischsein", heißt es auf einer Webseite über "Deafhood", der neuen Gehörlosen-Bewegung, die Taubheit als Lebensstil versteht, auf den die Betroffenen stolz zu sein haben, und nicht als sensorische Behinderung, die es notwendigerweise auszugleichen gelte.
Man darf gespannt sein, was als Nächstes kommt: Die Bewahrung von Kurzsichtigkeit und der Benutzung der Brille als identitätsstiftendes Symbol der seit Schulzeiten ausgegrenzten Minderheit der Streber? Das Beharren auf dem Recht auf Impotenz als Assimilationsverweigerung der Leidtragenden sexueller Leistungsnormen? Pickel als subversiver Verstoß gegen die Schönheitsideale der kapitalistischen "Clerasil"-Kultur?[3]
Mehrfachopfer
Rein theoretisch müsste die Bewegung irgendwann an ihr Ende kommen: Wenn jeder Opfer ist, dann gibt es keine Täter mehr, aber dies geschieht nicht. So wie Arbeit immer mehr Arbeit schafft und damit nahezu unendlich vermehrbar ist, so lässt sich auch die Opfermenge beliebig ausweiten. Wegen der Möglichkeit jedes Menschen gleich mehrfach Opfer zu sein, übersteigt die Zahl derjenigen, die sich benachteiligt oder diskriminiert fühlen, diejenige der Menschheit bereits um 400 Prozent, wie Charles Sykes vom "Wisconsin Policy Research Center" ausgerechnet hat.[3]
Opferhierarchie
Beim Zelebrieren des Opferkultes gilt es die Opferhierarchie strikt einzuhalten. Ein Mann kann zwar beschuldigt werden, eine Frau vergewaltigt zu haben, wohingegen eine Frau nicht beschuldigt werden, einen Mann vergewaltigt zu haben, was sich jedoch sofort ändert, wenn der Vergewaltiger einen Migrationshintergrund hat, denn (männliche) Migranten stehen in der Opferhierarchie über (einheimischen) Frauen.
| Merksatz: | «Der Vergewaltigungsvorwurf darf immer nur nach unten erhoben werden, weil Vergewaltigung bedeutet, mit einem höherwertigen Wesen geknattert zu haben.» |
| Zitat: | «Ich hatte - vor gefühlt zehn Jahren - irgendwo auf einer amerikanischen feministischen Webseite oder irgendwo in den social media eine Hierarchieordnung mit 16 Stufen gefunden, bei der der |