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Kollektive kognitive Dissonanz

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Der Begriff Kollektive kognitive Dissonanz wurde in der Beschneidungsdebatte[iw] 2012 von Ulf Dunkel geprägt und beschreibt das auch über Generationen bestehende Problem der kognitiven Dissonanz für eine Gruppe von Menschen.

Kognitive Dissonanz

Zitat: «Kognitive Dissonanz bezeichnet in der (Sozial-)Psychologie einen als unangenehm empfundenen Gefühlszustand, der dadurch entsteht, dass ein Mensch mehrere Kognitionen hat - Wahrnehmungen, Gedanken, Meinungen, Einstellungen, Wünsche oder Absichten -, die nicht miteinander vereinbar sind.» - Wikipedia[1]

Der Begriff wurde 1957 vom US-amerikanischen Sozialpsychologen Leon Festinger[wp] geprägt. Seine Theorie wurde seitdem in vielen Experimenten bestätigt und empirisch untermauert.

Dissonanzentstehung

Zitat: «Vier Schritte müssen durchlaufen werden, damit kognitive Dissonanz entsteht:
  1. Verhalten und Einstellung werden als widersprüchlich empfunden;
  2. das Verhalten geschah freiwillig;
  3. physiologische Erregung tritt ein;
  4. das Verhalten wird für die Erregung verantwortlich gemacht.» - Wikipedia[2]

Dissonanzauflösung

Zitat: «Da Dissonanz als unangenehm empfunden wird, versuchen Personen, die Kognitionen in Einklang zu bringen (sie in eine "konsonante" Beziehung zu bringen), um den negativen Gefühls­zustand zu beenden. Die Dissonanz­auflösung (auch Dissonanz­reduktion genannt) kann an jedem der vier Entstehungs­schritte ansetzen:
  1. Das zugrundeliegende Problem wird gelöst. Häufig ist es dabei notwendig, den Blickwinkel zu ändern, um neue Lösungswege zu erkennen. Mit der Lösung verschwindet auch die Dissonanz.
  2. Die Wünsche, Absichten oder Einstellungen werden aufgegeben oder auf ein erreichbares und somit konflikt­ärmeres Maß gebracht.
  3. Die physiologische Erregung wird gedämpft, z.B. durch Sport, durch ausgleichende Aktivitäten, durch Ruhe, durch Meditation, durch Alkoholkonsum[3], Beruhigungsmittel, Tabakkonsum oder Drogen.
  4. Die physiologische Erregbarkeit wird reduziert, z.B. durch ausreichende Ruhephasen, Vermeidung von vermeidbarem Stress, durch Sport und Gelassenheit.

Auch Scheinlösungen, Illusionen und Ausreden können Spannungen reduzieren:

  1. Die Erregung wird auf andere Ursachen zurückgeführt ("Die Scheinheiligkeit der Leute nervt mich").
  2. Der Widerspruch zwischen Verhalten und Einstellung wird herunter­gespielt ("So schlimm ist mein Verhalten nun auch wieder nicht.")
  3. Das Verhalten wird als erzwungen dargestellt ("Ich musste so handeln.")
  4. Nichtwahrnehmen, Leugnen oder Abwerten von Informationen
  5. Selektive Beschaffung und Interpretation von dissonanz­reduzierenden Informationen» - Wikipedia[4]

Kollektive kognitive Dissonanz

Mit Bezug auf die Beschneidung der Genitalien aus nicht-medizinischen Gründen gibt es häufig von Betroffenen und von den Gruppen, denen sie sich selbst zugehörig fühlen, eine Vielzahl von Argumenten für Beschneidung[iw], die dazu dienen, die kognitive Dissonanz aufzulösen. Mit scheinbar sinnvollen, aber regelmäßig widerlegbaren Begründungen wird versucht, sich die Beschneidung schönzureden[wp].

Falls zu der gesellschaftlichen Gruppe, der der Betroffene angehört, sehr viele ebenfalls Betroffene gehören, entwickeln sich solche Schein­begründungen mit Gruppenbezug, um auch der Gruppe zu ermöglichen, sich die Beschneidung schönzureden.

Sobald diese Scheinbegründungen von einer Generation auf die nächste weitergegeben werden, werden sie zu einem Teil des Kulturguts dieser Gruppe und begründen die permanente Wiederholung des nicht begründbaren Akts der Beschneidung innerhalb der Gruppe.

Die kollektive kognitive Dissonanz hat nach Dunkel also drei Voraussetzungen:

  1. Kognitive Dissonanz einzelner Betroffener
  2. Kognitive Dissonanz der Gruppe, der einzelne Betroffene mit kognitiver Dissonanz angehören
  3. Kognitive Dissonanz der Gruppe über Generationen hinweg.

Der Autor von "Unspeakable Mutilations"[iw], Lindsay R. Watson[iw], nennt dieses Phänomen das Beschneidungskoma[iw], wenn es sich auf eine einzelne Person bezieht, die das Problem noch nicht realisiert hat.

Einzelnachweise

  1. WikipediaKognitive Dissonanz
  2. Wikipedia: Kognitive Dissonanz - Abschnitt "Dissonanzentstehung"
  3. Steele CM, et al.: Dissonance and alcohol: Drinking your troubles away, in: Journal of Personality and Social Psychology, 1981 (41); Seiten 831-846
  4. Wikipedia: Kognitive Dissonanz - Abschnitt "Dissonanzauflösung"

Netzverweise


Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Kollektive kognitive Dissonanz (28. November 2021) aus der freien Enzyklopädie IntactiWiki. Der IntactiWiki-Artikel steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation. In der IntactiWiki ist eine Liste der Autoren verfügbar, die vor Übernahme in WikiMANNia am Text mitgearbeitet haben.