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Gewichte (BDSM)
Gewichte (englisch: Weights) - semantisch genauer "Gewichtskraft"[wp] - finden im BDSM-Kontext vielfältige Verwendung. Die verwendeten Gewichtstücke[wp] werden meist mit Seilen - seltener Ketten - an Manschetten oder Lederschlaufen befestigt, mit denen die Extremitäten des Gefesselten in einer Weise fixiert werden, wobei ein dauerhafter Zug durch die Gewichtskraft gewährleistet ist.
Ein weiteres Einsatzgebiet ist das Schmerzspiel, wobei meistens in Verbindung mit an den Genitalien und anderen erogenen Körperzonen (beispielsweise Brustwarzen) angebrachten Klammern oder anderen dort angebrachten, meist metallenen Gerätschaften angebracht, um einen - auf Dauer schmerzhaften - Zug zu erzielen. Durch das Anbringen weiterer Gewichtstücke kann der Schmerz gesteigert werden, aber auch durch Wegnahme wieder gemindert werden. Viele Masochisten benutzen daher Gewichte, um die aus dem Schmerz gezogene Lust zu steigern. Zuweilen entwickelt sich daraus für den Einzelnen ein gewisser "Sport" oder quasi eine Art innerer Wettkampf, in dessen Zentrum die Steigerungsfähigkeit der Belastung mit Gewichten steht. Aber auch sadistische Dominas setzen Gewichte für die Behandlung ihrer masochistischen Kunden ein. Die verursachte Schmerzintensität kann kontrolliert und fein durch das Hinzufügen und wieder Wegnehmen dosiert werden.
Spezielle Gewichte wie beispielsweise Gewichtsscheiben für das Hanteltrainiing[wp] können in Fachgeschäften erworben werden, aber auch viele andere Gegenstände können bei der Durchführung geeigneter Übungen verwendet werden. Beliebt sind beispielsweise Angelblei, kleine Hantelgewichte[1] und Tischdeckenbeschwerer, die verhindern, dass Tischdecken im Freien wegfliegen.[2]
Kleine Gewichte
Kleine Gewichte werden eingesetzt, um einen beispielsweise schon durch Fesselung, Klammern, Nadeln oder Piercings erzeugten Reiz noch weiter zu verstärken. Meistens werden Gewichte eingesetzt, um (schmerzhafte) Zugkraft auf Geschlechtsteile oder Brustwarzen/Brüste auszuüben.
Als Gewichtstücke geeignet sind vor allem kleine schwere Gegenstände: Senkblei, Anglergewichte, Tischdeckenbeschwerer, kleine (Leder-)Beutel mit Sand- oder Bleischrotfüllung. In szeneeigenen Fachhandlungen werden dieselben in großer Auswahl, mit oder ohne integrierte Klammer, u.a. in der Ausführung aus poliertem Edelstahl oder anderen edlen Materialien, angeboten. Eine Sonderform sind Ballstretcher: dicke schwere Ringe aus Metall, die so um den Hodensack[wp] geklammert werden, dass sie auf den Hoden aufliegen. Für CBT[sm] gibt es auch Parachutes, das sind konische Lederriemen, die ebenfalls um den Hodensack gebunden werden und mit Gewicht behangen werden können.
Das Gewichtstück alleine verstärkt den Reiz von Klammern oder Piercings sehr stark, was sich zusätzlich steigert, wenn es in Bewegung versetzt wird. Es gibt Gewichtstücke, die mit scharfen Stacheln versehen sind, die, wenn sie beispielsweise zwischen den Beinen hängen, den Bottom aus Schmerzvermeidung zum Unterlassen jedweder Bewegung zwingen.[3]
Große Gewichte
Größere Gewichtstücke, beispielsweise Hantelscheiben, werden eher im Zusammenhang mit Seilen zur Verstärkung einer Bondage benutzt, um entweder Zugkraft auf ein Seil auszuüben, oder um beispielsweise einen aufgehängten Körper zusätzlich zu strecken.[3]
Hängefesselung
Bei der Hängefesselung kommen oftmals größere Gewichtstücke zum Einsatz, wenn gewisse Seile unter Spannung gehalten werden sollen. Seile, Lederriemen und Ketten sind viel zu schwach, um einen dauerhaften Zug aufrechtzuerhalten. Beispielweise kann man am Andreaskreuz einen Bottom sicher fixieren, indem man Lederriemen an Handgelenken und Hals mit Schlössern an dafür vorgesehene Ösen befestigt. Die Arme sind wegen der Fixierung durch Ledermanschetten ebenso wie der Kopf bei einer längeren Session ab einem bestimmten Zeitpunkt einem zu großen Druck ausgesetzt. Steckt man allerdings die Hände in Handgelenksschlaufen, befestigt daran ein Seil, das über eine Umlenkrolle[wp] geführt und am Ende mit einem Gewichtstück belastet wird, dann sind die Arme einer beständigen Zugkraft ausgesetzt und die vom Bottom eingenommene Position wird durch die Anspannung vom Druck entlastet.
Große Gewichtstücke können aber auch genutzt werden, um jemanden schnell und sicher zu heben und in einen hängenden Zustand zu versetzen. Ist diese Person etwa schon mit Handschlaufen an der Decke sicher befestigt und an den Füßen sind Fußschlaufen schon angelegt, welche nun unter die Decke gezogen werden sollen, so können diese Fußschlaufen über ein Seil mit Gewichtstücken verbunden werden, die zunächst noch gesichert unter der Decke hängen. Wenn alles sicher verbunden und geprüft ist, dann kann die Sicherung der Gewichtstücke gelöst werden, die Gewichtstücke fallen durch die Schwerkraft nach unten und ziehen über eine Umlenkrolle die Beine des gefesselten Bottom in die Höhe.
Eine Person zu heben, erfordert eine große Kraft und dieselbe Kraft wäre aufzubringen, würde das nötige Gewicht in einem Stück unter die Decke gehängt werden. Hier kann man sich der Technik bedienen, mehrere kleinere Gewichte zu einem großen Gewicht zu verbinden. So können beispielsweise so viele Hantelscheiben mit dem Einzelgewicht von zehn Kilogramm mit Schlaufen und Karabinerhaken[wp] am gesicherten Seil befestigt werden, bis das erforderliche Gesamtgewicht erreicht ist. Möglich ist auch, Wasserkanister als Gewichtstücke zu verwenden, die als Bestandteil jeder herkömmlichen Camping-Ausstattung erhältlich sind. Die als Gewichtstücke benutztbaren 20-Liter-Kanister können zur Hälfte mit Wasser gefüllt am gesicherten Seil befestigt werden und dann nachträglich weiter durch einen Schlauch oder Gießkannen mit Wasser befüllt werden.
Wenn auf diese Weise das Gesamtgewicht die gewünschte Höhe erreicht, dann kann eine Person sicherer gehoben werden, als wenn sie alleine durch die Muskelkraft des Top an einem Seil in die Höhe gezogen wird, wobei die Gefahr besteht, dass dem Top das Seil durch die Finger rutscht und der gefesselte Bottom dann plötzlich auf den Boden stürzen kann, was potenziell sehr gefährlich ist, weil derselbe im gefesselten Zustand den Sturz nicht abzufangen im Stande ist. Die Positionierung des gefesselten Bottoms erfolgt durch den Einsatz von Gewichtstücken in höherer Geschwindigkeit als bei bloßem Einsatz der Muskelkraft eines einzigen Menschen, wobei der Vorgang der schnellen Versetzung in eine hängende Lage als solcher zusätzlich einen positiven Gefühlseffekt bei dem Bottom auslösen kann.
Streckfesselung
In liegender Position kann mit Gewichtstücken der Effekt einer Streckbank simuliert werden. Seile an den Füßen ziehen horizontal in die eine Richtung, Seite an den Händen ziehen horizontal in die andere Richtung. An den Hand- und Fußschlaufen können mittels Karabinerhaken Umlenkrollen angebracht werden. Dann werden an den entgegengesetzten Seiten Seile befestigt, die durch die Umlenkrollen an den Hand- und Fußschlaufen geführt werden, dann zurück zur Wand, wo durch eine weitere Umlenkrolle das Seil zur Zimmerdecke geführt wird und von der Zimmerdecke durch eine letzte Umlenkrolle nach unten. An diesen Enden können nun sukzessive 10-Kilogramm-Gewichtsscheiben angebracht werden, um die Zugkraft auf den gefesselten Bottom schrittweise zu erhöhen. Alternativ hierzu können zunächst zu einem Viertel mit Wasser gefüllte 20-Liter-Wasserkanister schrittweise in bestimmten Dosen weiter befüllt werden.